Editorial
Liebe Lesende,
in dieser Ausgabe der TIERBEFREIUNG schauen wir auf den Kollaps von Systemen, vorrangig ökologischen. Dabei mag eine*n das Gefühl der Ausweg- und Hoffnungslosigkeit überkommen, so zumindest ging es mir bei der Lektüre. Doch die Zerstörung der Umwelt und der Gesellschaft ist keine binäre Angelegenheit. Daher ist auch der Kampf dagegen nicht verloren – denn jedes Bisschen, um das wir die Katastrophe reduzieren können, ist ein kleiner Gewinn.
Wichtig ist dabei anzuerkennen, dass wir gegen den Kapitalismus und seine Plutokrat*innen kämpfen, die sich in einer privilegierten Machtposition befinden. Das Ergebnis sind mehr Autoritarismus und insbesondere: Überwachung. Wollen wir ernstzunehmenden Widerstand bieten, müssen wir uns von zentralisierten/monopolisierten Überwachungs- und Kontrollstrukturen emanzipieren und ein Solidaritätsangebot sowohl schaffen wie auch bereit sein anzunehmen.
Sehr willkommen ist da die DI.day-Kampagne, die einfache Anleitungen bereitstellt, um auch technisch unversierten Menschen einen Umstieg auf sozialere oder überwachungsresistentere Medien/Systeme zu erleichtern und sich von monopolistischem US-Big-Tech zu lösen. Das Motto ist: „Jeden ersten Sonntag im Monat auf die gute Seite wechseln!“ Ob Ihr Eure Suchmaschine umstellen wollt, von Microslop Windows auf eine freie Linuxdistribution umsteigen oder endlich mal Euren Twitter-Account wegschmeißen wollt, schaut mal auf di.day/wechselrezepte vorbei. Auch wir machen mit und beleben wieder unseren älteren Mastodon-Account @Tierbefreiung@todon.eu; trötet uns mal ein hi.
Das ist ein sehr kleiner Beitrag, aber solange wir unsere (digitalen) gesellschaftlichen Interaktionen zu ihren Bedingungen führen, können wir uns auch nicht von ihrem Narrativ lösen. Und gänzlich hypothetisch: Wer über Direkte Aktionen gegen Ausbeutungs- und Zerstörungssysteme nachdenkt, sollte vielleicht auch keine Software benutzen, die durch Überwachung die eigene Person und Kompliz*innen in Gefahr bringt.
Alan Schwarz