Titelthema
Seit jeher sind nichtmenschliche Tiere Bestandteil künstlerischen Ausdrucks, ob als Motive oder mittels ihrer ausgebeuteten Körper. Gerade auf Film, ob im Sinne eines bewegten oder im Sinne einzelner Fotografien, finden sich Tierbestandteile potenziell auf allen Ebenen einer Produktion.
06 Intro: Ausbeutung durchs Objektiv gesehen
07 Naturdokumentarfilme – Genre der Zwiespälte
10 Die „Animal Storytelling Checklist“ – Wie können Filmemachende andere Geschichten über Tiere* erzählen?
14 Verdeckte Tierqual für Likes: Süßer Tiercontent oder doch tatsächlich Folter? 18 Von Glutinleim bis Gelatine – Unvegane Fotos
24 Tierrechtsaktivismus in den Medien
Ausbeutung
26 Deutsche Fischausbeutung
29 Wissenschaft und Forschung im Zoo?
33 „Plattform Schlachtindustrie Deutschland“
Bewegung
Gleich zwei mehrstündige Blockaden gab es seit unserer letzten Ausgabe: Im Rahmen der Aktionstage von „Disrupt. Food System“ wurde eine zu Tönnies gehörende Wurstfabrik und eine Futtermittel importierende Reederei zum Ziel von Protesten. Und die größte Molkerei Deutschlands wurde Ziel einer Protestaktion, die damit auf die zahlreichen Verbrechen des Mutterkonzerns Müllermilch und der Milchindustrie aufmerksam machen wollten.
30 Mehrstündige Blockade von Fleischwarenfabrik und Futtermittelimporthafen
34 Blockade der Sachsenmilch-Molkerei Tiergeschichte
44 Eine kurze Geschichte vegetarischer Kolonisierung
Verein
49 Vorstellung der neuen Ortsgruppe Stuttgart
50 Kundgebung in Solidarität mit dem vierten Döbelner CSD
Lebenshof
52 Wir ziehen um – Hoffentlich bald ein neues Zuhause
54 Spendenaufruf für ein neues Zuhause für Happy Kuh e.V.
Editorial:
Liebe Lesende,
ein Jahr mit geradezu grotesken Vorkommnissen neigt sich dem Ende zu, dem sich auch unsere Existenz auf diesem Planeten immer mehr und unwiderruflich nähert.
Was das Jahr 2025 brachte, war ob dessen, was sich ankündigte, wenig überraschend, aber nichtsdestoweniger frustrierend und/oder angsteinflößend für alle, die nicht männlich, weiß und cis-heteronormativ sind …
Denn dieses Jahr stand diesseits und jenseits des Atlantiks im Zeichen der alten, weißen Männer, die sich nicht von Macht und Einfluss lösen wollen, während der Rest der Welt sich nur nach Frieden und im besten Fall lebenswerten und im schlechtesten Fall überhaupt noch Existenz zulassenden Bedingungen auf der Erde sehnt. Die einen mokieren sich über stoppende Rolltreppen und preisen sich selbst als die großen Peacemaker, die anderen kämpfen um Wasser und Mehl, um nicht elendig an Hunger zu verenden.
Dieses Jahr wurde einmal mehr die Spaltung, die sich durch die Weltbevölkerung zieht, deutlich … Auf der einen Seite Reichtum, auf der anderen Seite der bloße Kampf ums Dasein.
Teils hatte dieses Jahr einen Hauch der „Tribute von Panem“ inne – man erinnere sich an den erbärmlichen Versuch, den Gazastreifen aus der Luft mit Lebensmitteln zu versorgen, was seinerseits zu Toten und Verletzten führte und mehr Probleme schuf als löste …
Dieses Jahr zeigte uns auch einmal mehr, wie schnelllebig diese Zeit ist: Eben noch des Trumps bester Buddy, im nächsten Moment bereits gechasst, in Ungnade gefallen und zumindest gefühlt persona non grata … Und wir müssen noch nicht einmal über den großen Teich schauen: Auch in Deutschland ist die Politik, ebenfalls wenig unerwartet, mehrere Schritte nach rechts gerückt und – yeah – ein Metzgermeister ist im Kabinett Merz neuer Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (sic!).
Absolute Lowlights pflastern dieses Jahr …
So traurig, so hoffnungslos und so deprimierend all dies sein mag – wir dürfen nicht vergessen, dass wir gerade jetzt den letzten Moment erleben, an dem wir das Blatt noch zum Guten wenden könn(t)en: In der Politik, in der Tierbefreiung, im Klimawandel und nicht zuletzt im Zusammenleben mit anderen menschlichen und nichtmenschlichen Tieren.
Denn: Genau jetzt ist es wichtig zu kämpfen, sich miteinander zu solidarisieren und dagegenzuhalten, für alles, was da in Zukunft auf uns zukommen möge. Jetzt ist die Zeit, sich zu verbünden. Vielleicht bleibt uns nicht mehr viel davon. Nutzen wir sie.
Diese Ausgabe der „Tierbefreiung“ widmet sich Themen rund um Fotos, Film und Fernsehen – wie immer in Bezug zum tierrechtlichen Kontext. Wir zeigen Euch auf, wie (un-)vegan die Produktion von Filmen und die Fotografie ganz praktisch eigentlich sind. Ausbeutende Praktiken in den sozialen Medien und wie man vorgehen sollte, wenn man diese entdeckt, möchten wir Euch ebenfalls in einem Artikel nahebringen. Zudem beschäftigen wir uns mit Dokumentarfilmen und damit verbundenen ethischen Fragen sowie nicht unumstrittenen Tierfilmer:innen …
In der nächsten Ausgabe befassen wir uns mit dem großen Thema Klimakollaps und seinen komplexen Folgen für unsere Erde, nichtmenschliche und menschliche Tiere sowie dem Umgang mit ihm und denjenigen, die ihn weiterhin noch relativieren oder gar leugnen, obwohl er schon so sehr zu spüren ist …
Wie immer freuen wir uns sehr über Zuschriften von Euch – lasst uns teilhaben an Euren Aktionen oder auch an Ideen für neue Texte!
Im Namen der ganzen Redaktion der „Tierbefreiung“ wünsche ich Euch interessanten Lesestoff und allen, die sie feiern, erholsame Feiertage!
Anita Baron